Im Zusammenhang mit den Gammelfleisch-Skandalen liest man gelegentlich, dass Fleischproduzenten Schlachtabfälle, die nur noch als Tierfutter geeignet waren, als unbedenkliches Lebensmittel für den menschlichen Verzehr verkauft haben.
Ein Beispiel: Im Oktober 2005 wurde in Bayern aufgedeckt, dass Schlachtabfälle der Kategorie 3 umdeklariert und an Lebensmittelproduzenten verkauft wurden. Schlachtabfälle der Kategorie 3 (dazu zählen Hufe, Häute, Federn usw. von schlachttauglichen Tieren, aber auch Küchenabfälle und überlagerte Lebensmittel) dürfen laut EU-Recht nicht für die menschliche Nahrung eingesetzt werden. Aber: Sie dürfen unter bestimmten Umständen zu Heimtierfutter (Hundefutter, Katzenfutter, ...), Zootierfutter, Knochenmehl-Dünger oder auch Biogas weiterverarbeitet werden.
Die Vorstellung, dass man diese Art Abfälle auf dem eigenen Teller haben könnte, ekelt, aber auch als Tierbesitzer fragt man sich nun - was füttere ich da eigentlich meinem Hund oder meiner Katze?
Auf Nassfutterdosen und Trockenfutterbeuteln sieht man appetitliche Abbildungen, beworben werden saftige Stückchen in Gelee, Geschnetzeltes mit Soße oder Menüs mit Frühlingsgemüse. Doch wird hier wirklich nur das feinste Filet verwendet? Man sollte sich nicht nur auf die Werbeaussagen der Hersteller verlassen, sondern auch einmal einen Blick auf die Inhaltsstoffe werfen...
Ein Schlachttier wird nach geltendem Recht in "Fleisch" und "tierische Nebenerzeugnisse" unterteilt. Unter Fleisch versteht man dabei nicht nur das Muskelfleisch, sondern auch Binde- und Sehnengewebe, Schleimhäute und Fettgewebe. Tierische Nebenerzeugnisse hingegen sind Innereien, Knochen, Knorpel und Blut, aber auch Federn, Hufe, Haare und Schnäbel. Die meisten dieser Abfälle sind für den menschlichen Verzehr nicht zugelassen, und fallen nicht unter das Lebensmittelgesetz. Man muss leider davon ausgehen, dass manchmal auch Schimmelpilze in den Dosen sind, weil nicht alle verwendeten Rohstoffe immer frisch sind.
Kauft man Katzenfutter oder Hundefutter in Dosen, werden leider nur selten Aussagen zu Art und Menge des verwendeten Fleisches und der Nebenerzeugnisse gemacht. Meist wird auf der Dose die sogenannte Gruppenbezeichnung genannt, die z.B. lautet "Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse (mind. 4% Rind)". Wieviel Fleisch und wieviel Schlachtabfälle in welcher Qualität nun im Futter sind, und von welchem Tier diese stammen, läßt sich über das Etikett nicht feststellen. Dies macht übrigens auch die Fütterung schwierig, denn der Inhalt einer Futtersorte mit der Geschmacksrichtung "Rind", die zu 4% vom Rind und zu 96% aus gemischten Fleisch / Schlachtabfällen von irgendwelchen Tieren besteht, wird so stark variieren, dass er der Katze jedesmal anders schmeckt.
Katzen und Hunde sind im Gegensatz zum Menschen Raubtiere und darauf ausgelegt, z.B. eine ganze Maus mit Haut und Haaren zu fressen. Diese enthält auch Nebenprodukte. Gut verwertbare Proteine, die z.B. in Muskelfleisch, Ei und Herz vorkommen, können vom Körper einer Katze leicht und ohne nierenbelastende Abbauprodukte verwertet werden. Einige Innereien, wie z.B. das Herz und einige andere Innereien, zählen auch zu den Nebenprodukten, enthalten aber gut verwertbare Proteine und sind daher ein hochwertiger Inhaltsstoff. Auch das Nebenprodukt Knochenmehl ist ein sinnvoller Inhaltsstoff, da Katze und Hund das Calcium aus den Knochen brauchen. Schwerverdauliche tierische Nebenerzeugnisse wie Federn oder Fell hingegen sind für das Tier schlecht zu verwerten und belasten Nieren und Verdauung. In Kombination mit hochwertigen Inhaltsstoffen schaden sie nicht, als Hauptbestandteil der täglichen Nahrung sind sie aber nicht geeignet.
Bei Futter, bei dem die Art der enthaltenen Nebenerzeugnisse und der Anteil von Fleisch nicht genannt wird, kann man vermuten, dass eher schlecht verwertbare Proteine eingesetzt werden und das Futter von der Qualität her eher als minderwertig eingestuft werden kann. Dies wird auch durch die Fütterungsempfehlung deutlich: Je geringer die Futtermenge ist, die eine Katze zur Deckung ihres Nährstoffbedarfs benötigt, desto hochwertiger ist das Futter. Ein Beispiel: Bei den meisten gängigen Katzenfuttersorten, bei denen keine näheren Angaben zu den Inhaltsstoffen gemacht werden, liest man auf der Dose, dass eine „durchschnittlich große Katze“ ungefähr 400-500g am Tag benötigt. Von einem hochwertigen Futter braucht die Katze dagegen nur 150-250g. Die Differenz wird durch schlecht verwertbare Proteine und Füllstoffe verursacht. Das gleiche gilt auch für Trockenfutter. Hat es eine gute Qualität, braucht die Katze 50-70g am Tag, werden minderwertige Zutaten verwendet, meist um die 100g.
Der einfachste Anhaltspunkt für ein gutes Trockenfutter oder Nassfutter ist zunächst eine möglichst niedrige Fütterungsempfehlung. Auch wichtig:
Leider entsprechen die gängigen Sorten aus dem Lebensmittelmarkt oder Discounter diesen Kriterien oft nicht. Viele kleinere Tierläden oder die großen Tierbedarfsketten wie Fressnapf hingegen führen hingegen auch hochwertiges Futter. Auch im Internet gibt es immer mehr Onlineshops für Tierfutter, darunter viele kleinere Anbieter und aber auch Anbieter mit sehr großem Sortiment wie z.B. Zooplus. Beim Einkauf im Laden und online muss man beachten, dass ein Futter nicht unbedingt gut sein muss, nur weil es teuer ist - man muss sich leider die Zeit nehmen, die Etiketten zu lesen bzw. im Onlineshop die Produktbeschreibung.
Zum hochwertigen Futter zählen zum Beispiel - ohne Anspruch aus Vollständigkeit - Katzenfutter: Artemis, Auenland, Biopur, Bio-Fit, Felidae, Feline Porta, Grau, Orijen, Petnatur, Serengeti Hundefutter: Artemis, Auenland, Biopur, Canidae, Grau, Feline Porta, Petnatur, Prairie, Terra Canis.